Gert Bürgel, Dresden

 

120 Jahre Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA)

Festveranstaltung in Sachsen

 

Ganz im Zeichen des 120-jährigen Jubiläums des VDA stand die Hauptversammlung des sächsischen VDA-Landesverbandes im Jahr 2001. Anlässlich des Jubiläums hatte der Landesvorsitzende Peter Bien die Verbandsmitglieder sowie Gäste aus dem öffentlichen Leben zu einer Feier in das World Trade Center (WTC) Dresden eingeladen.

 

  Bien und weitere Redner würdigten in ihren Ansprachen das Wirken des Vereins in seiner wechselvollen Geschichte. Bundesgeschäftsführer Gerhard Müller sagte in seinem Grußwort, dass diese Veranstaltung in Dresden der Auftakt sei zu einer ganzen Reihe gleichartiger Feierlichkeiten in Deutschland und im Ausland.

 

Der Chor INA, ein Ensemble der Rußlanddeutschen, gab der Veranstaltung einen festlichen Rahmen. Im Anschluss an die Feier konnten die Teilnehmer im Foyer des WTC eine Ausstellung mit dem Titel „Rudolf Hartmann - das Auge des Volkskundlers“ besichtigen.

Gezeigt wurden Fotos über die untergegangene Alltagskultur der Ungarndeutschen.

 

Alle Referenten kamen aus den Reihen des sächsischen VDA-Landesverbandes. Die Auswahl der Beiträge machte die Veranstaltung zu einem abwechslungsreichen Symposium über deutsche Kulturbeziehungen im Ausland.

 

 Dr. Norbert Spannenberger vom Geisteswissenschaftlichen Zentrum Ostmitteleuropa, Leipzig, sprach in seinem Vortrag: „Geschichte und Gegenwart der Ungarndeutschen“ über die aktuelle Lage der Deutschen in Ungarn.

Er führte u.a. die Mängel im ungarischen Minderheitengesetz an und wies hin auf das nicht immer konfliktfreie Zusammenleben der Deutschen mit dem Mehrheitsvolk. Kritik übte er besonders daran, dass die deutsche Minderheit zu wenig unternimmt, um ihren Fortbestand zu sichern.

 

 

  Pfarrer i. R. Kurt Beyer aus Dresden war in den 90er Jahren evangelisch-lutherischer Pfarrer und Propst im nördlichen Ostpreußen. Er  bot einen ergreifenden Vortrag zum Thema „Die Russlanddeutschen im Gebiet Kaliningrad/Königsberg“. In diesem Gebiet haben sich vorwiegend Russlanddeutsche aus Kasachstan angesiedelt. Jahrzehntelang ohne Kirche, ist das Verlangen der Menschen nach kirchlicher Betreuung groß. Viele reisen nach Deutschland aus, aber es kommen weiterhin Übersiedler aus Kasachstan. Die Gemeinden wachsen, heute sind es vierzig an der Zahl. Viele Landgemeinden schaffen sich Gemeindehäuser und 1999 wurde eine neue Kirche in Kaliningrad/Königsberg eingeweiht.

 

Neben seelsorgerischer Arbeit war besonders soziale Arbeit notwendig: Hilfe bei der Wohnraumbeschaffung, der Anschaffung von Vieh, der Altenspeisung, Krankenbetreuung usw. Erdrückend ist die finanzielle Lage in den Gemeinden: keine Erwerbstätigkeit, kein Lohn, keine Steuern - auch keine Kirchensteuern.

 

  Prof. Hansjörg Huber, Görlitz, referierte über die Geschichte und die Gegenwart der Namibia- Deutschen. In den Jahren 1884 bis 1919 war Namibia die Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Viele deutsche Siedler hatten sich in ihrem Denken zwar vom europäische Deutschland gelöst, Schulen und öffentliche Verwaltung waren aber nach wie vor deutsch. Trotz des frühen Verlustes der deutschen Kolonie und der Ausweisung eines großen Teils der Südwester Deutschen knüpften spätere Zuwanderergenerationen, besonders nach 1945, an das sehr selbstbewusste Denken der Kolonialpioniere an.

 

So ist zu verstehen, dass trotz zweier Weltkriege in Namibia eine sehr agile deutsche Minderheit existiert, die zwar zahlenmäßig stagniert, prozentual an Boden verliert, aber Dank eigener Schulen, deutscher Infrastruktur und nicht zuletzt auf Grund der deutschen Muttersprache Bestand hat. Dass Englisch als alleinige Amtssprache eingeführt worden ist, konnte bisher daran nichts ändern.

 

Letzter Redner des Tages war Gert Bürgel. Er präsentierte in einem illustrierten Vortrag die bisherigen Ergebnisse seiner Recherchen über „Alle Dresden dieser Welt.“

Die weltweite Verbreitung des Namens „Dresden“ ist in der städtischen Geschichtsschreibung völlig unberücksichtigt geblieben. Entsprechend groß ist das Interesse der Dresdner Öffentlichkeit an der unerwarteten Vielzahl „neu entdeckter“ historischer, geographischer und urbaner Dresden-Orte und Namensspuren.  Ein Kamerateam will in den kommenden Jahren diese „Dresden“ besuchen und dokumentieren. Zugleich sollen neue Beziehungen von der sächsischen „Mutterstadt“ zu ihren Namenskindern entstehen. Das multimediale Gesamtprojekt ist als Beitrag zur 800-Jahrfeier der Stadt Dresden im Jahre 2006 gedacht.

 

(Fotos: Bürgel)