Gert Bürgel, Dresden

 

VDA-Forum in Sachsen

 

Es ist eine gute Tradition beim sächsischen VDA-Landesverband geworden, alljährlich im Herbst Mitglieder und Freunde sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu einem festlichen Forum einzuladen. So sind auch am 19. Oktober 2002 zahlreiche Gäste der Einladung ins Dresdner World Trade Center gefolgt. Die Veranstaltung hatte diesmal das Thema „Deutsche in Lateinamerika“.

 

  Eingeleitet wurde die Vortragsreihe mit dem Referat „Deutsche Auswanderer in Chile“ von Johannes Osterholt. Er lebte und arbeitete 30 Jahre als Pfarrer und Lehrer an deutschen Schulen in Santiago de Chile, Osorno und Puerto Varas. In seinem illustrierten Vortrag umriss er die voreuropäische Geschichte Chiles und die Zeit der Eroberung und Kolonialisierung durch die Spanier. Bereits damals kam der erste deutsche Siedler, ein Bartholomäus Blümlein aus Nürnberg, ins Land. Er gehörte zu den Mitbegründern der Stadt Santiago de Chile.

 

1831 und 1837 befuhr Bernard Philippi mit einem preußischen Handelschiff die chilenische Küste. Auf seine Berichte hin folgte um 1845 die erste große deutsche Einwanderungswelle.  Die Siedlungsgebiete der Deutschen lagen im Süden Chiles: in Valdivia und Osorno sowie am Llanquihoe-See und in dessen Umgebung. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es erneut große Einwanderungswellen.

 

Die Deutschen in Chile und ihre Nachkommen werden derzeit auf 150 000 – 200 000 geschätzt. Viele sprechen Deutsch schon nicht mehr als Muttersprache - ein Umstand, der auch der fehlenden Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung zu „verdanken“ ist, werden doch kaum noch Lehrer an deutsche Schulen geschickt und die Zuschüsse zur Pflege der deutschen Kultur immer weiter reduziert.

 

Der Deutsch-Chilenische Bund ist die Dachorganisation der Chile-Deutschen. Er bemüht sich, die noch vorhandene deutsche Kultur, die noch immer einen beachtlichen Stellenwert in der Gesellschaft hat, lebendig zu halten.

 

 

 Interessante Informationen über ein wenig bekanntes Kapitel der deutschen Auswanderung nach Lateinamerika erfuhren die Zuhörer von Prinz Alexander von Sachsen, einem in Mexiko lebenden Nachfahren des sächsischen Königshauses. Sein Thema lautete „Deutsche in Mexiko“.

 

Deutsche Auswanderer kamen schon bald nach der spanischen Eroberung in das Land.  Zunächst waren es Augsburger Waffenschmiede, die die spanischen Truppen bei deren Eroberungszügen betreuten, bald folgten Missionare und Handwerker, wie Jakob Cromberger, der das erste Buch auf dem amerikanischen Kontinent druckte, oder Heinrich Martin, der die Kanalisation der Landeshauptstadt plante und ausführte. Im 18. Jahrhundert folgten Bergleute aus dem sächsischen Freiberg und aus dem Harz und halfen beim Aufbau der Minen im Lande.

 

Alexander v. Humboldt bereiste das Land und verfasste mehrere Werke über dessen politische und wirtschaftliche Verhältnisse sowie über die botanische und zoologische Vielfalt. Dank seiner verdienstvollen Arbeit haben sich Generationen von Geschäftsleuten, Investoren und Wissenschaftlern nach Mexiko orientiert.

 

Nach dem Befreiungskampf 1821 öffnete sich das Land verstärkt dem internationalen Handel und noch im gleichen Jahr gründete sich die „Rheinisch-Westindische Companie“. Schnell etablierten sich deutsche Handelshäuser, die europäische Produkte vermarkteten. Der wachsende Wohlstand der Deutschen führte zu weiteren Investitionen. 1824 wurde der deutsch-amerikanische Bergwerkverein gegründet. Deutschsprachige Handwerker und Arbeiter errichteten kleinere Betriebe und Läden.

 

Als Zentrum des kulturellen Lebens der Deutschen in Mexiko wurde 1848 das „Deutsche Haus“ gegründet. Diese Institution existiert noch heute als „Club aleman“. Auch eine deutsche lokale Zeitung wurde herausgegeben, ein „Deutscher Hilfsverein“ und ein „Deutscher Frauenverein“ gegründet.

 

Eine deutsche Schule gibt es in Mexiko City seit 1894. Sie wurde mit finanziellen Mitteln und deutschem Lehrpersonal von der Regierung des Deutschen Reiches unterstützt. Diese Schule existiert noch heute mit mehreren Komplexen und trägt den Namen „Colegio aleman Alexander von Humboldt“.

 

Eine wechselvolle Geschichte erlebten die Mexiko-Deutschen im vergangenen Jahrhundert. Die Mexikanische Revolution, die Zeit der Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise 1929  bescherten dem blühenden Handel und Gewerbe Einschnitte und Umorientierungen. Unter den einwandernden Flüchtlingsströmen war auch eine größere Gruppe Mennoniten. Sie siedelten in der Steppe von Chihuahua und verwandelten diese Gegend in ein blühendes Land. Ihre Sprache ist noch immer das Platt.

 

Deutsche, österreichische und Schweizer Gemeinden in Mexiko haben kürzlich eine gemeinsame deutschsprachige Vereinigung ins Leben gerufen. Sie wird D-A-CH heißen. Jeder Buchstabe steht dabei für eines der teilnehmenden Länder. Unter dem „Dach“ ihrer Vereinigung werden alle bereits bestehenden Organisationen ihre Bedürfnisse abstimmen und ihre gemeinsamen Interessen nach außen vertreten.

 

 

Den letzten Vortrag des Tages hielt Gert Bürgel. Er stellte die neue Homepage des VDA-Landesverbandes Sachsen vor. Ihr Erscheinungsbild ist der Homepage des Bundesverbandes angenähert, inhaltlich wird sich die Präsentation jedoch stark unterscheiden. Sie wird dem Besucher alle Informationen über die Arbeit des Landesverbandes und seine publizistischen Aktivitäten bieten.

 

Besonderen Wert legen die Sachsen bei der Konzeption ihrer Präsentation auf den direkten Kontakt zu den Auslandsdeutschen. Mit einer Vielzahl von interessanten Informationen, die auf der Homepage des Bundesverbandes nicht zu finden sind, wollen sie den Zuspruch zum VDA insgesamt fördern helfen. Zu dem Konzept gehören deshalb ein Gästebuch und eine erstmalige systematische Auflistung aller deutschen oder deutschsprachigen Organisationen in der Welt - mit Adressangaben - sowie ein Ereignis-Kalender mit wichtigen überregionalen deutschen Kulturereignissen in aller Welt.

 

Für fremdsprachige Besucher der Webseiten, insbesondere für Nachkommen deutscher Auswanderer, die nicht mehr Deutsch als Muttersprache sprechen, wurde eine Informationsseite in Englisch, Spanisch, Russisch, Ungarisch und Polnisch eingerichtet.

 

Die Präsentation wird am 29. Dezember 2002 „online“ sein – an einem für den VDA Sachsen denkwürdigen Datum, wurde doch vor 121 Jahren, am 29. Dezember 1881, in Dresden die erste sächsische Ortsgruppe des damaligen „Allgemeinen Deutschen Schulvereins“ gegründet.