Gert Bürgel, Dresden

 

 

Im Rahmen der 800-Jahrfeier Dresdens gestaltete der Landesverband Sachsen des Vereins für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) sein alljährliches Forum unter dem Titel:

 

„Die weltweite Verbreitung des Namens DRESDEN,

Recherche-Ergebnisse und Forschungsfragen“

 

Die ganztägige Veranstaltung wurde von der Landeshauptstadt Dresden, Veranstaltungsbüro 2006, dem Sächsischen Staatsministerium des Innern und der Sächsischen Sparkasse Dresden großzügig unterstützt. Presse und Rundfunk kündigten die Veranstaltung in zahlreichen Mitteilungen an.

Die Leitung der Veranstaltung hatte Peter Bien, Dresden

 

 

Kurzbeschreibung der Vortragsinhalte:

 

Gert Bürgel gab in seinem illustrierten Vortrag einen Gesamtüberblick über die Namensverbereitung „Dresden“ in der Welt. Er berichtete über vier weitere europäische Dresden,  beschrieb an ausgewählten Beispielen die Orts- bzw. Namensverbreitung „Dresden“ durch Auswanderer in den USA und Kanada, nannte Namensspuren, darunter einen Ort und zahlreiche Dresden-Farmen in Südafrika und Territorien und Parks in Australien. Durch das Porzellan verbreitete sich der Name Dresden. So ist das Produkt „Dresden-Porzellan“ auch ein Erzeugnis namhafter ausländische Porzellanwerke. Der Name „Dresden“ ist ein verbreiteter weiblicher Vorname in Nordamerika. Zahlreiche Dresden-Parks, Dresden-Häuser, ein Dresden-See und ein Dresden-Berg sind weltweit zu finden.

Interessenten finden hier den vollständigen Vortragstext des Hauptreferates.

 

Dietrich Handt aus Bad Salzuflen referierte über das frühere Neudresden im Warthebruch, den einzigen deutschen Namenszwilling, in Ost-Brandenburg gelegen, einer Gegend, die heute zum polnischen Staatsgebiet gehört. Mit seinem illustrierten Vortrag brachte er den Zuhörern nicht nur einen Ort, sondern auch eine fast vergessene Region und Kulturlandschaft in Erinnerung. Das Warthebruch wurde zur Zeit Friedrichs des Großen entwässert und kultiviert. In der Gegend von Ost-Sternberg siedelten sich Kolonisten aus ganz Deutschland an. Bis 1945 waren dort eigentümliche Ortsnamen zu finden, wie Maryland, Pensylvanien, Philadelphia, Louisa, Hampshire, Florida und Quebec. Deshalb nannte man die Gegend auch „Klein-Amerika“.

Mittendrin lag das Dorf „Neudresden“. Sein heutiger, polnischer Name „Krepiny“ ist dem parallel zur Dorfstraße fließenden Krempine-Kanal entlehnt. Krempine war ein preußischer Offizier, der seinerzeit an der Trockenlegung des Warthebruchs beteiligt war. Die Namensherkunft des 1775 gegründeten Dorfes ist nicht gesichert, denn nur eine Familie aus Sachsen hatte sich ursprünglich dort angesiedelt. Neu-Dresden war bis 1945 Missionszentrum für die „Diaspora-Arbeit“ der Herrnhuter Brüdergemeinde. Deutschlandweit berühmt war der Ort für seine Herdbuchzucht von Rindern.

 

Phil Rowley aus Stoke-on-Trent sprach zum Thema „Das englische Dresden – ein Stadtteil von Stoke-on-Trent“. Die Dresden-Parish ist ein um 1840 gegründeter, kleiner Wohnort im Zentrum der englischen Porzellanindustrie. Liberales Bürgertum gab sich diesen Ortsnamen als Referenz an die erste Porzellanstadt Europas. Mit ca. 7000 Einwohnern ist es das zweitgrößte Dresden nach der sächsischen Landeshauptstadt. Noch heute erinnern Stadtteilschilder mit der Aufschrift „Dresden, Stoke-on-Trent“, eine Dresden Parish-Church, eine „Dresden Postoffice“ und eine „Dresden Primary School“ an jenen selbständigen Ort, der um 1884 in den Nachbarort Longton eingemeindet wurde. Anhand zahlreicher Bilder erläuterte Phil Rowley die historische Entwicklung und vermittelte den Zuhörern einen Eindruck vom heutigen Leben der englischen Dresdner.

Ergänzende Anmerkung: Unter A walk around Dresden, Longton, Stoke-on-Trent kann der interessierte Leser einen virtuellen „Spaziergang“ durch das englische Dresden machen. 

 

Der Vortrag von René Fleischer aus Langenchursdorf (Sachsen) beschäftigte sich mit der Auswanderung von Dresdnern nach Missouri. Im Perry County, in Missouri, siedelten sich im Jahre 1839 achthundert religiös motivierte, sächsische Auswanderer an. Neben Altenburg, Frohna, Wittenberg und Seelitz wurde auch ein Dresden gegründet. Die Siedler in "Dresdenau", wie Pfarrer Walther seine Gemeinde nannte, hatten einen sehr schweren Start. Überall in der Kolonie herrschte bittere Armut. In Dresden wurde eine Blockhütte errichtet. Dieses sogenannte Log Cabin Col­lege war die Keimzelle des Lutherischen Lehrer- und Predigerseminars in der späteren Mis­souri-Synode.

Die Zerwürfnisse in den Kirchgemeinden der Kolonie und die bald fehlende seelsorgerische Betreuung der Dresden-Gemeinde führten bereits nach zwei Jahren zum Untergang des Ortes. Wann genau Dresden völlig verlassen war, lässt sich schwer sagen. Sicherlich wohnte bereits Ende 1800 niemand mehr dort. Noch heute erinnern einige Marksteine an den Ort. Von den Namen der ehemaligen Dresdener Siedler haben sich im Perry County einige bis auf den heutigen Tag erhalten. In Missouri, im Pettis County, gibt es einen weiteren Ort namens Dresden.

 

Günther Held aus Flensburg erinnert in seinem Vortrag an das ehemalige Patenschiff unserer Stadt „SMS Dresden“ aus der Zeit des 1. Weltkrieges.  Dessen einzigartiges Schicksal und das seiner Besatzung ist zum Mythos geworden. Das Schiff hat Namensspuren in Chile und auf dem ganzen amerikanischen Kontinent hinterlassen. Sein Andenken wir heute in Chile mehr gepflegt als in Deutschland bzw. in unserer Stadt. Dem Schiff zu Ehren wurde einer heute in Hildesheim lebenden 91-jährigen Frau der ungewöhnliche Vorname „Dresden“ vergeben. Eine Bergsteigergruppe aus Dresden bestieg dieses Jahr erstmals den Dresden-Mountain in Kanada, der nach diesem Schiff benannt wurde.

Interessenten finden hier den vollständigen Text dieses Referates.