Heinz Noack, Peter Bien,

 

Literatur, die keine Grenzen kennt

 

Das VDA-Forum 2010 in Dresden bot drei Schriftstellerlesungen.

 

„Grenzenlos – Deutsche Minderheitenliteraturen“ – unter diesem Motto stand das VDA-Forum 2010, das der VDA-Landesverband Sachsen am 13. November 2010 im Dresdner Goethe-Institut veranstaltete. In seiner Begrüßungsansprache hob der VDA-Landesvorsitzende  Peter Bien hervor, dass die Literatur der deutschen Minderheiten und Aussiedler durch die Nobelpreis-Verleihung an die aus Rumänien stammende Herta Müller in den Blickpunkt der internationalen Öffentlichkeit gerückt worden ist.

 

Den Besuchern des VDA-Forums wurden drei verschiedene literarische Blickwinkel geboten: der einer Publizistin, die in einem deutschen Siedlungsgebiet in Ostmitteleuropa lebt, der einer Aussiedlerin und der eines in Sachsen geborenen Schriftstellers, der sich mit deutschen Minderheiten befasst.

 

Norbert Weiß, der 1949 in Dresden geboren wurde, kennt die Situation der Deutschen in Ostbelgien, im rumänischen Banat und in Ungarn.  Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen finanzierte ihm 2007 einen Studienaufenthalt im südungarischen Fünfkirchen (Pécs). Ein Ergebnis dieses Aufenthalts war der Band „Nahe Mohatsch“, den Weiß beim VDA-Forum vorstellte. Für Heiterkeit sorgte er mit einem Gedicht, in dem die Namen von etlichen Gaststätten und Kneipen in Fünfkirchen vorkamen.

 

Um Heimat und Natur, aber auch um historische Erfahrungen, die lange Zeit verdrängt wurden, ging es in den Texten, die Angéla Korb vortrug. Die ungarndeutsche Autorin, die 1982 geboren wurde, arbeitet als Redakteurin bei der „Neuen Zeitung“ in Budapest. Sie las auch eine Geschichte in der Mundart ihres Heimatdorfes Hetfehell (Hetvehely). Damit regte sie einige aus Ungarn stammende Teilnehmer an, in der Pause eine Kostprobe ihres jeweiligen heimatlichen Dialekts zu geben.

 

Es folgte eine dritte Lesung, dargeboten von Eva Rex, einer Aussiedlerin aus Oberschlesien, die 1969 in Kattowitz (Katowice) geboren wurde und seit einigen Jahren in Dresden lebt. Sie las aus einer noch unveröffentlichten Erzählung, in der sie Eindrücke von einer Italien-Reise mit ihrer oberschlesischen Familiengeschichte verbunden hat. Ihre Schilderung löste eine rege Diskussion über das besondere Schicksal der Oberschlesier aus.

 

Musikalisch umrahmt wurde das VDA-Forum 2010 von Betty Quast, einer talentierten jungen Liedermacherin aus Berlin. Auch in ihren Stücken ging es um Unterwegssein und Identitätssuche.