Gert Bürgel, Dresden

 

Fotoausstellung über Sprachinseln in Europa

 

Mit fünf sprachlich und kulturell eigenständigen Volksgruppen Europas befasst sich eine zweiteilige Foto- und Sachausstellung, die bis zum 9. Juni 2001 in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden gezeigt wird. Ausstellungsorte sind das Staatliche Museum für Völkerkunde am Palaisplatz und das Kulturrathaus in der Königstraße.

 

Die Exposition des Salzburger Fotografen und Galeristen Kurt Kaindl ist nach einer Idee des Schriftstellers Karl-Markus Gauß entstanden. Beide waren zu Gast bei den Aromunen in Mazedonien, den Arbereshen in Süditalien und den Gottscheern in Slowenien sowie bei den Sepharden in Sarajevo und den Sorben in der Lausitz.

 

Über die deutschsprachigen Gottscheer erfährt der Ausstellungsbesucher, dass diese im 14. Jahrhundert durch die Kärntner Grafen von Ortenburg angesiedelt worden sind. 1623 zur Grafschaft erhoben, kam das Gebiet um die Stadt Gottschee 1918 zu Jugoslawien. 1941 wurden die 12 000 deutschen Bewohner der Sprachinsel umgesiedelt und vier Jahre später bis auf wenige Ausnahmen aus Jugoslawien vertrieben.

 

Die in der Ausstellung gezeigten Volksgruppen haben nie einen eigenen Nationalstaat angestrebt. Scheinbar sind sie Überbleibsel aus der Zeit vor der nationalstaatlichen Gestaltung Europas. Sie sind Beispiele für die kulturelle Vielfalt Europas, die in der heutigen, vereinheitlichenden Alltagskultur unterzugehen droht – was Karl-Markus Gauß in seinem Buch „Die sterbenden Europäer“ beschrieben hat. In weiteren Publikationen des Teams Gauß und Kaindl sollen ausschließlich deutsche Sprachinseln in Europa vorgestellt werden.

 

Informationen über eigenständige Volksgruppen in Europa sind auch im Internet zu finden, zum Beispiel mit der Suchmaschine www.google.com  unter dem Stichwort „Sprachinseln“.

 

Peter Bien, Vorsitzender des VDA-Landesverbandes Sachsen,

im Gespräch mit Kurt Kaindl.